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Ein Radiobericht sorgt für Wirbel

Kein großer Staatsakt, kein schulpolitischer Skandal, der da am 30.10.2017 über das Radio zur Sprache kam. Aber eine Schule, die plötzlich im Mittelpunkt kritischer Berichterstattung stand. Unvorbereitet, ohne die Chance des Abwendens oder des Richtigstellens.Vielfältige Anfragen von Verbandsmitgliedern und Kollegen aus dem Land zu diesem Radiointerview lassen uns zu dem Entschluss kommen, unsere Homepage zur Darstellung und Erläuterung zu nutzen.

Hier nochmal Interview und Bericht von MDR AkTUELL in Textform
…und nun?

Zweieinhalb Minuten Sendezeit für die Erklärung von Zeitschätzlauf, Bewertung im Sportunterricht und Nachteilsausgleich- wahrlich ein sehr „sportliches“ Vorhaben der Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt von MDR Aktuell, welches in Anbetracht der Komplexität und des Umfangs keine Chance auf Erfolg haben konnte.

Der Vorsitzende unseres Verbandes reagierte: Ob sein Schreiben Auswirkungen auf den medialen Umgang miteinander haben wird, ist zu bezweifeln, denn: Bad news are the best news.

Sehr geehrte Frau Wolfskämpf,
vielen Dank für die Links zu Ihrem Beitrag.
Im Nachhinein bin ich in höchstem Maße unzufrieden mit mir selbst über die vollzogene Schnelligkeit des Interviews. Die von Ihnen erbetene Stellungnahme war schulneutral formuliert. Es gab nie einen Bezug zu der konkreten Schule, die dann im Bericht eine Rolle spielt und ohne Rücksprache vor Ort einseitig kritisch betrachtet wurde. Jetzt fühle ich mich für das Anliegen einiger weniger Eltern instrumentalisiert. Dabei geht es mir weniger um die inhaltliche Gestaltung Ihres Beitrags. Er enthält meine Aussagen in unverzerrtem Maße, auch wenn darin z. B. die lobende Anmerkung im Bemühen der mir „unbekannten Kollegen“ im Sinne einer Differenzierung, eines Beachtens der Heterogenität der Schüler und der Kompetenzen im Rahmen der Bewertung fehlt.

Viel wichtiger in meiner Betrachtung sind folgende Fragen:

  • Wieso gab es Ihrerseits keinen Kontakt mit der Fachschaft Sport des Gymnasiums in Landsberg? In weniger als 10 Minuten hätten Sie erfahren, in welchem Kontext und in welchem Bewertungsrahmen die Kollegen die Leistungskontrolle durchführen?
  • Weshalb mied Elternvertreterin Frau Scholle das Gespräch mit dem Fachschaftsleiter und/ oder mit dem Schulleiter, bevor sie das Problem in die Öffentlichkeit zerrte?
  • Welche Chance hatten die Sportlehrer vorab für eine Richtigstellung bzw. Klärung der Stellung dieser Leistungskontrolle im Rahmen der Gesamtbewertung?
  • Wie können sich die Sportlehrer des Gymnasiums jetzt gegen diese Sichtweise wehren?

    Mit zunehmender Zahl dieser Fragen komme ich zu der Überzeugung, dass hier wieder ein vermeintlich negativer Aspekt von Schule, im konkreten Fall von Sportunterricht, auf das goldene Tablett gehoben wurde. Ihnen möchte ich nicht unterstellen, dass dies in diskriminierender Absicht geschah, sondern der „Gerechtigkeit“ zum „Sieg“ verholfen werden sollte. Als Sportlehrer selbst ärgere ich mich aber über die einseitige Schwerpunktsetzung. Stattdessen rege ich eine objektive, problemdarstellende und Leistung anerkennende Berichterstattung über folgende Themenbereiche an:

  • Eine Darstellung gelingenden Sportunterrichts, der täglichen Arbeit der Kollegen, den Schülern die vielfältigen Sinnperspektiven des Sports nahe zu bringen, sie für ein lebensbegleitendes Sporttreiben zu begeistern
  • Die lobenswerte Arbeit in den Instituten und Seminaren bei der Ausbildung der künftigen (Sport)-Lehrer
  • Eine objektive, interessierte und umfangreiche Berichterstattung über eine Bewertung im Fach Sport, die der Heterogenität der Schüler vielfältig, nuanciert und beispielhaft gerecht wird; mit Bezug zu diesem Anliegen gerecht werdenden Materialien wie den „Grundsätzen und Anregungen für die Schulpraxis/ Leistungsbewertung im Sportunterricht“
  • Die materiellen und personellen Bedingungen für die Durchführung des Sportunterrichts
  • Die ehrenamtliche Arbeit der Sportlehrer

Welchen Wert außer einem populistischen Spielen mit mehr oder weniger negativen Erfahrungen im Rahmen des Sportunterrichts hat dieser Beitrag für die Allgemeinheit? Sind Leser und Hörer nun klüger und vollends im Bilde über die Bewertungskomplexität im Sportunterricht Sachsen-Anhalts? Sicher interessieren Reizthemen die Hörer- und Leserschaft bedeutend mehr. Die von mir angeregten Themenbereiche würden aber einen echten Beitrag zum Verständnis von Schule und Sportunterricht leisten. Aber jede negative Sache hat auch ihr Gutes. Im Sinne eines positiven Berufsverständnisses entsteht vielleicht das Vorhaben, doch einmal umfangreicher und objektiver über die von mir aufgezeigten Bereiche der „Sportbildungslandschaft“ zu berichten. Ich strebe kein Glorifizieren unserer Arbeit an, denn wo geleistet wird, geschehen auch Fehler und Missverständnisse. Das ist nicht nur in der Schule so, das betrifft jeden Arbeitsbereich. In einer Gesellschaft, in der häufig nur der Verriss für die nötige Aufmerksamkeit sorgt, sollte eine positive Berichterstattung einen wichtigen Beitrag für eine optimistischere Grundhaltung leisten.

In diesem Sinne verbleibe ich mit sportfreundlichen Grüßen.

Jens -Uwe Böhme