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Sportunterricht- Wenn die Bewertung für Kritik sorgt (Ein Radiobericht von MDR AKTUELL)

Sportunterricht – der eine erinnert sich mit Grauen daran, der andere hat gerade da die besten Noten eingesammelt. Aber jetzt stellen Sie sich diese Aufgabe vor: Sie machen Ausdauerlauf und Sie werden nicht danach bewertet, wie weit oder schnell Sie laufen. Sondern Sie bekommen eine Note dafür, ob Sie selbst vorher richtig eingeschätzt haben, was Sie leisten. von Vera Wolfskämpf, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin für Sachsen-Anhalt

Wie fair sind Bewertungsmaßstäbe im Sportunterricht?

Der Ausdauerlauf am Gymnasium Landsberg führt zu roten Köpfen: nicht nur bei erschöpften Schülern, sondern auch bei erbosten Eltern. Denn die Note gibt es nicht für Schnelligkeit oder Strecke – die Schüler müssen vorher einschätzen, wie viel sie in welcher Zeit schaffen.
Yvonne Scholle engagiert sich in der Elternvertretung: „Liegen sie 100 Prozent richtig, kriegen sie eine 1. Liegen sie um 20, 30 oder 40 Prozent daneben, kann es eine 4 oder 5 werden. Und das hat mit dem Fach Sport an sich nichts zu tun.“

Sportlehrerverband sieht Zeitschätzlauf skeptisch

Denn es ist unabhängig davon, ob man gut oder schlecht läuft. Selbst wenn man besser läuft, als geschätzt, gibt es eine schlechte Note. Für manchen guten Sportler habe das schon die Zeugnisnote gedrückt, ärgern sich die Eltern.

Dieser sogenannte Zeitschätzlauf sei eine zulässige Übung, erklärt Jens-Uwe Böhme. Er ist Präsident des Sportlehrerverbandes Sachsen-Anhalt. Eine Note allein dafür zu geben, sieht der Sportlehrer skeptisch: „Es ist möglich, aber ich würde es nicht empfehlen. Wenn man die Ausdauerleistung darauf reduziert, dass man sie nur auf dem Zeitschätzlauf begründet, dann geht das Ganze an dem Ziel vorbei.“

 „Nicht nur Schüler, die Einsen laufen“

Denn der Zeitschätzlauf ist ein Mittel, um ein Gefühl für sein Tempo zu entwickeln, ausdauernd und gleichmäßig zu laufen. Auch Sportlehrer Böhme will seine Schüler damit trainieren und motivieren. Aber in die Note fließt die Selbsteinschätzung nur als kleiner Teil ein. Entscheidender sind die Laufleistung, auch gemessen am eigenen Vermögen, sowie ein gleichmäßiges Tempo. Dafür sei ein gutes Beispiel im Bewertungsheft des Landesschulamtes vorgegeben, erklärt Jens-Uwe Böhme: „Ich habe mit diesem Angebot eine größere Breite, um positiv und angemessen zu bewerten und Leistung abzurufen. Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir nicht nur Schüler haben, die Einsen laufen.“

 Neue Handreichung zum Nachteilsausgleich auf dem Weg

Bildungsminister Marco Tullner vertraut den Lehrern, wenn es um individuelle Lösungen für benachteiligte Schüler geht.

Mit einer guten Selbsteinschätzung könne ein schlechter Sportler seine Note aufbessern. Mit einem Nachteilsausgleich hat das aber nichts zu tun. Hierbei bekommen Schüler – aufgrund einer konkreten persönlichen Einschränkung – eine andere Aufgabe, um das gleiche Lernziel zu erreichen. Vorschläge dafür hat das Ministerium in einer neuen Handreichung gesammelt, die in dieser Woche an die Schulen verteilt wird. Bildungsminister Marco Tullner erklärt, worum es geht: „Ziel ist es bei einer heterogenen Schülerschaft individuelle Problemlagen so zu berücksichtigen, dass am Ende ein Lernerfolg mit Schulabschluss möglich ist, ohne Debatten um Qualitätsverwässerung.“

 Unterrichtsgestaltung abhängig vom Lehrer

Ein einfaches Beispiel im Sportunterricht: Wenn ein Schüler aus Platzangst nicht in der Gruppe mitrennen kann, läuft er einzeln. Aber auch für Sehbehinderte, Hörgeschädigte oder andere Einschränkungen braucht es individuelle Lösungen. Wie sie ihren Unterricht gestalten, bleibt dabei den Lehrern überlassen. Bei konkreten Methoden mische sich die Politik nicht ein, betont Tullner: „Wir sorgen für stabile Rahmenbedingungen und im Übrigen glaube ich, sind Lehrer Profi genug, vor Ort die richtigen Entscheidungen zu treffen, die im Interesse der Kinder sind.“

 Ansprechpartner beim Landesschulamt

Sollten Eltern oder Schüler daran Zweifel hegen, können sie sich an den schulfachlichen Referenten wenden. Für jede Schule gibt es einen solchen Ansprechpartner am Landesschulamt, der in diesen Fällen vermittelt.

 

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