Positionspapier des DSLV zum Sportunterricht in Corona-Zeiten

Der Deutsche Sportlehrerverband fordert, dass Sportunterricht in den Schulen – angepasst an die Situation vor Ort und unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregelungen – qualifiziert erteilt wird!
Es ist zurzeit wichtig wie nie, dass sich Schülerinnen bewegen. Der Alltag vieler Heranwachsender war in den letzten Wochen durch Inaktivität, hohen Medienkonsum und sitzende Tätigkeiten geprägt. Einige durften ihre Wohnungen aus Angst vor Ansteckung gar nicht verlassen. Diese Bewegungsarmut kann erhebliche gesundheitliche Konsequenzen auf physischer und psychosozialer Ebene nach sich ziehen! Eine professionelle sportpädagogische Anleitung des Sportunterrichts in der Schule ist – auch hinsichtlich der Vermeidung von Überforderung, Unfällen und Verletzungen – dringend notwendig. Um der Bewegungsarmut und Inaktivität entgegenzuwirken ist es unerlässlich zu thematisieren, wie sich die Schülerinnen Zuhause oder im Freien allein oder mit Abstand zu zweit in ihrer freien Zeit und den Sommerferien – möglicherweise bei geschlossenen Freibädern – sinnvoll und sicher bewegen und sportlich betätigen können.
Klar ist, dass Sportunterricht zurzeit primär im Freien stattfinden sollte, auf dem Sportplatz, der Laufbahn im Park, auf dem Schulhof, auf Plätzen. Laufen, Springen, ggf. Werfen, Leichtathletik, der Erwerb des Sportabzeichens können z.B. zurzeit gut durchgeführt werden. Badminton / Speedminton, Inlineskaten, Radfahren, kontaktlose Spiele, diverse Übungsreihen zu Sportspielen – selbstverständlich ohne Partner oder Gegnereinwirkung – u.v.m. sind weitere Themen. Auch kleine Aufgaben für zu Hause oder für die Freizeit könnten eine Perspektive für Bewegung im Alltag eröffnen und Reflexionsanlässe bieten. Ein Tourenbuch (ggf. digital) mit Lieblingsstrecken per Rad, Inliner, Longboard, MTB und dgl. oder ein Sport-, Bewegungs- oder Trainingstagebuch könnten einen hohen Aufforderungscharakter bieten.
Die von vielen Schülerinnen vermissten Gemeinschaftserlebnisse könnten auch über – wie auch immer geartete Staffelaktivitäten – erfahren, erlebt und kreativ entwickelt werden. Herausforderungen per Rad, Inliner oder laufend – in unterschiedlichen Kombinationen mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen – eröffnen Zugänge zu bewegten Aktivitäten unter vielfältigen pädagogischen Perspektiven. Choreografien unter synchronen oder rhythmusorientierten Herangehensweisen mit unterschiedlichen Geräten (z.B. Scooter, Skateboards) können ebenfalls ein Miteinander in einem Nebeneinanderformat thematisieren. Sportunterricht grundsätzlich zu untersagen, ist mit dem erhöhten Infektionsrisiko beim Umkleiden, Duschen und Waschen begründet. Dieses Argument greift zu kurz, hier können und müssen Lösungen gefunden werden. So könnte der Sportunterricht teilweise in den Randstunden stattfinden, so dass Zuhause geduscht werden kann; auch könnte den Schülerinnen mehr Zeit fürs Waschen und Umziehen eingeräumt oder die Gruppen könnten auf mehrere Umkleidekabinen aufgeteilt werden. Außerdem müssen die Hygiene und der Zustand der Schulsanitäranlagen und deren Reinigung endlich stärker in den Blick genommen werden.
Es wäre tragisch, wenn nun Kindern aus bildungs- und bewegungsfernen Familien auch noch die letzte Möglichkeit genommen wird, sich zu bewegen, ihre physische und psychosoziale Gesundheit und kognitive Leistungsfähigkeit zu stärken, sich zu erholen und zu entspannen
Nur Schulsport bewegt alle!

Deutscher Sportlehrerverband e.V.
22.04.2020

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